Julius Kiefer - Bürgermeister und Ornithologe

     

    von Ulrich Schmidt

    mit geringfügigen Änderungen aus dem OBS-Info 18, S. 6 - 7 vom Oktober l999 übernommen

    Das Land an der Saar hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Die Grenzlage blieb auch auf die Entwicklung der Vogelkunde nicht ohne Auswirkungen. NICKLAUS (1986) hat diese Fa-cetten beleuchtet und schreibt: „Durch die politisch-geographische Lage als Grenzland, mit vielen Grenzverschiebungen und wechselnder nationaler Zugehörigkeit, kam es in unserem Heimatraum lange Zeit nicht zu einer eigenständigen wissenschaftlich-faunistischen Erforschung. Über Jahrhunderte hinweg wurden jeweils Teile des heutigen Saarlandes von den Nachbarregionen aus mitbearbeitet." Dieser Zustand hielt sich bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts. Es begann nun das Wirken von Julius Kiefer.

    Im Jahre 1870 kehrte Julius Kiefer, nachdem er lange Zeit in Amsterdam, Konstantinopel und Offenbach als Kaufmann tätig war, nach Saarbrücken zurück, wo er am 15.10.1820 geboren worden war.

    Neben seinem Amt als Bürgermeister von Alt-Saarbrücken, das er 12 Jahre innehatte, fand er noch Zeit, sich mit der Vogelwelt Saarbrückens zu be-schäftigen und hierüber Beiträge in der ornithologischen Fachpresse zu veröffentlichen. Damit war „erstmals ein im Saarland gebürtiger und lebender Beobachter mit der Erfassung der heimischen Ornis beschäftigt" (NICKLAUS 1986). Theo SCHMIDT (1958) verlieh ihm den „Ehrentitel eines ersten Ornithologen unserer Saarbrücker Heimat."

    Kiefers Veröffentlichungen (Nr. 209-218 in NICKLAUS 1986), und die Schriften, die sein Lebenswerk würdigen (Nr. 84, 349 u. 356 in NICKLAUS 1986), sind umfassend zusammengetragen.

     Besonders sei hier auf den umfangreichen Beitrag von Theo SCHMIDT (1958) in der Saar-brücker Zeitung vom 22. März 1958 hingewiesen (Nr. 356 in NICKLAUS 1986). Unter dem Titel „Julius Kiefer - Bürgermeister und Ornithologe", hat er ein ausführliches Bild des Jubilars gezeichnet. Interessierte können die Veröffentlichung über das Redaktionsarchiv der Saarbrücker Zeitung oder über den OBS beziehen.

    Kiefer bekundete 90 Brutvogelarten in der Saarbrücker Talweitung (SCHMIDT 1958). ROTH, NICKLAUS & WEYERS (1990) bemühen in der Übersicht über die Vögel des Saar-landes bei 30 Arten Daten von Kiefer. Die Verdienste von Julius Kiefer um die saarländische Vogelkunde können nicht hoch genug eingeschätzt werden.

    Am 27.12.1999 jährte sich zum hundertsten Mal der Todestag von Julius Kiefer. Theo SCHMIDT (1925) widmet seinen Beitrag „Die Vogelfauna des Saarreviers" Julius Kiefer und gibt zu der letzten Ruhestätte folgendes Stimmungsbild: „...und über seinem Grabe auf dem alten Saarbrücker Friedhof singen im Gezweig der Lebensbäume Amsel und Girlitz zu dem übergrünten Hügel herab." Nach einer Initiative des Verfassers (vgl. HARTMANN 1999 a, b, c ) wurde das Grab, das in einem erschreckend verwahrlosten Zustand war, von der Stadt Saarbrücken zum Erinnerungsjahr hergerichtet. Die von Theo Schmidt 1925 erwähnten Le-bensbäume bensbäume haben bis zum heutigen Tag überdauert, und dies sollte den saarländischen Ornithologen auch mit dem Andenken an Julius Kiefer gelingen.

    Wer das Grab besuchen will, findet es auf dem Alten Friedhof in Alt-Saarbrücken zwischen den Straßen Am Ordensgut, Dellengartenstraße, Deutschherrnpfad und Komturstraße. Im äußersten südöstlichen Winkel des Friedhofs, in Feld 2, ruht der Saarbrücker Ehrenbürger und Pionier der saarländischen Ornithologie. Saarbrücker Bürgern wird auch die Julius-Kiefer-Straße in St. Arnual bekannt sein.

     

    Literatur:

    HARTMANN, M. (1999 a): Geht eine Stadt so mit ihrem Ehrenbürger um? Saarbrücker Zei-tung vom 23.02.1999

    HARTMANN, M. (1999 b): Letzte Ruhe unter Bierdosen. Saarbrücker Zeitung vom 11.08.1999

    HARTMANN, M. (1999 c): Julius Kiefers Grabstätte vom Unrat befreit. Saarbrücker Zeitung vom 19.08.1999

    NICKLAUS, G. (1986): Bibliographie zur Vogelwelt des Saarlandes. Lanius 25: 1-130.

    ROTH , N., NICKLAUS, G. & WEYERS, H. (1990): Die Vögel des Saarlandes. Homburg.

    SCHMIDT, T. (1925): Die Vogelfauna des Saarreviers. Saarkalender 3. Jg.: 148-153.

    SCHMIDT, T. (1958): Julius Kiefer - Bürgermeister und Ornithologe. Saarbrücker Zeitung vom 22.03.1958