Amphibien-Frühjahrswanderung 2013

Amphibien-Frühjahrswanderung 2013 am Beispiel des Fischbachtals

 

Ein Bericht von Wega Kling

 

Wer würde schon wahrnehmen, dass die meisten unserer Amphibien im Frühjahr, oft kilometerweit, zu ihren angestammten Laichgewässern wandern? Wären da nicht die Dramen und Tragödien, die sich auf den Straßen abspielen, die ihre Wanderrouten durchschneiden. Die Zahl der überfahrenen oder durch Fahrtwind tödlich verletzten Tiere geht in die Tausende. Vernichtung der Lebensräume und eben die hohen Verluste durch Zerschneidung führen dazu, dass sogar der bei uns eigentlich häufig vorkommende Grasfrosch auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten steht.

Im waldreichen Fischbachtal sind Erdkröten und Grasfrösche die häufigsten Amphibien. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie in Ihrem Landlebensraum. Im zeitigen Frühjahr aber drängt es sie ins Wasser. In den Tümpeln, Teichen und wasserführenden Gräben

sorgen sie durch für die Erhaltung ihrer Art. Nach getaner Arbeit wandern sie binnen weniger Tage schon wieder zurück, zunächst in ihr Sommerrefugium. Dort erholen sie sich von den Strapazen der Laichablage und des Fastens. Ihre Nachkommen müssen sich derweil allein im Gewässer entwickeln und überleben. Erst im Sommer wandern dann die Winzlinge in den Wald.

Eine stark frequentierte Strecke ist die Landstraße 127 zwischen dem Netzbachweiher und Saarbrücken Rußhütte. Dort begeben sich im Frühjahr tausende Erdkröten, Grasfrösche, Faden- und Bergmolche auf ihre Wanderung zu den längs des Fischbach gelegenen Laichgewässern. Dieses Jahr wurde die Straße während dieser Zeit voll gesperrt. Gleich am zweiten Märzwochenende bewährte sich die gute Vorbereitung und Absprache zwischen dem Landesbetrieb für Straßenbau, Ordnungsamt Saarbrücken, Straßenmeisterei Sulzbach und NABU Saarbrücken. Denn als die ersten Kröten, Frösche und Molche, es waren einige hundert, von heute auf morgen loslegten, war ihre Wanderroute durch die pünktliche Sperrung gesichert. Nach drei Tagen allerdings fielen die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt, und es dauerte fast einen Monat, bis sie sich wieder in der Nähe von 8° hielten. Während dieser Kälteperiode wurde die Straße für den Verkehr freigegeben. Die ersten Erdkröten und einige zurück wandernde Grasfrösche beobachteten wir erst wieder am 9. April. Diese Wanderung des größeren Teils der Amphibien zog sich dann inklusive Rückwanderung bis zum 28. April hin. Im Vergleich zu den Vorjahren ungewöhnlich spät. Nicht nur die Kälte auch die Trockenheit machte uns und unseren „Schützlingen“ zu schaffen. Man kann sagen „wir kriegten eben noch die Kurve“. Am 29. April wurde die Straße wieder geöffnet.

 

Schon jetzt können wir von einem Erfolg der Straßensperrung sprechen, denn es hat sich bei unseren Kontrollen bestätigt, dass die Wanderrouten in beide Richtungen ausgedehnt wurden. Noch längere Schutzzäune wären kaum eine Lösung. Die Zahl der Totfunde hat sich im Vergleich zu den Vorjahren stark verringert. Die meisten der 29 toten Tiere waren besonders früh und bei niedrigen Temperaturen außerhalb der Zeit der Straßensperrung unterwegs.

An vielen Wanderstrecken mit hohen Individuenzahlen sichern Amphibien-Arbeitsgemeinschaften durch Folienzäune das Erreichen der Laichgewässer. Leider können bei weitem nicht alle Gefahrenstellen gesichert werden, denn es fehlen die Betreuerinnen und Betreuer, die tägliche Kontrollen der Fangeimer gewährleisten. Die Schutzzaunvariante ist ohnehin eine nachgeordnete Lösung, derzeit aber noch die häufigste. Das Beste ist eine Straßensperrung wo immer es gute Möglichkeiten zur Verkehrsumleitung gibt. Ebenso haben sich stationäre Leiteinrichtungen mit Untertunnelung der Straßen und Wege bewährt.

Wer im Frühjahr oder auch das ganze Jahr über einige Stunden seiner Zeit für den Amphibienschutz spenden möchte, kann sich mit dem Zentrum für Biodokumentation, Abteilung Artenschutz, oder dem NABU Saarbrücken in Verbindung setzen.